Chronik


Die vielseitigen Ereignisse, die sportlichen und geselligen Aktivitäten und der selbstlose Einsatz der Mitglieder des TV Grönenbach seit seiner Gründung im Jahre 1894 würden genügen, um ein dickes Buch zu schreiben. So kann diese Schilderung nur einen groben Überblick über das Werden und Wachsen des heute mit mehr als 1300 Mitgliedern in 11 Abteilungen und mit einem umfassenden Sportareal bestehenden Vereins geben:

Wie alle Neuerungen in der Volksmeinung zunächst auf Skepsis stoßen, so fand auch die Idee von Franz Rauh, in Grönenbach das Turnen einzuführen, keine begeisterte Zustimmung; war der Gedanke der Körperertüchtigung als Ausgleich zur meist harten Arbeit in Handwerk, Landwirtschaft und Industrie und als sinnvolle Freizeitgestaltung doch noch lange nicht Allgemeingut geworden.

Aber ungeachtet aller Widerstände wurde 1894 von der Gründungsvorstandschaft mit Vorsitzendem Georg Holderied, Kassier David Rall, Beisitzer Ulrich Einsiedler und Turnwart Franz Rauh der TV Grönenbach aus der Taufe gehoben.

Das erste heimische "Sportzentrum" bestand in der sog. "Rennbahn", einer ehemaligen Kiesgrube mit einem Geräteschuppen und einem Übungsplatz. Da kein überdachter Raum zur Verfügung stand, konnte nur während der warmen Jahreszeit und bei trockenem Wetter trainiert werden. Dennoch verstand es die damalige Vereinsleitung, das Turnen so populär zu machen, daß sich die alljährlichen An- und Abturnen zu echten Dorffesten entwickelten und schon wenige Jahre nach der Vereinsgründung der TV Grönenbach 50 aktive Turner (!) zählte. Mündlichen Überlieferungen zufolge, wurden die Übungsabende mitunter auch in der Küferei der Brauerei Madlener auf dem Schloßberg abgehalten und die ersten überörtlichen Turnfeste beschickt.

Nach dem ersten Weltkrieg, der vorübergehend das Vereinsleben stoppte und den schmerzlichen Verlust von 14 jungen, aktiven Turnern brachte, fand die Sportbegeisterung an der grünen Ach neue Impulse. Eine groß angelegte Werbeaktion und das 25jährige TVG Jubiläum waren der Beweis dafür. Innerhalb des Turngaus Iller-Donau unterstrichen die heimischen Turner bei zahlreichen Turn- und Sportfesten ihren hohen Leistungsstand. Selbst der Nachwuchs (Zöglinge) und die Frauen errangen überall Auszeichnungen.

1923 übernahm der spätere Ehrenvorsitzende Georg Marte sen. den Vorsitz mit dem Ziel, eine Turnhalle zu errichten. Durch Vermittlung des ehemaligen Vorstandes Ulrich Einsiedler wurde das notwendige Gelände erworben, 1925 mit dem Turnhallenbau begonnen und das Werk mit viel Tatkraft und freiwilliger Mitarbeit vollendet.

Philipp Schachenmayr, der 1933 Nachfolger in der Vereinsleitung wurde, ist vor allem die Entstehung der Skiabteilung zu verdanken. Nach der Eingliederung des TV Grönenbach in den Reichsbund für Leibeserziehung folgte der weitere Ausbau der Turnhalle unter Alexander Dreier und Georg Bertele. Allerdings mußten die Turner sich die Benützung mit den verschiedenen Organisationen der NSDAP teilen.

1939 kam es zur Fusion mit dem 1923 gegründeten FC Grönenbach. Eine seit dieser Zeit angestrebte Änderung des Namens in "Turn- und Sportverein" fand bisher keine Mehrheit.

Der unselige zweite Weltkrieg brachte nicht nur die Vereinsarbeit zum Erliegen, er kostete auch das Leben zahlreicher aktiver Sportler. In der ersten Versammlung nach Kriegsende war das Fehlen von 28 gefallenen und 22 noch nicht heimgekehrten Kameraden zu beklagen.

Die ersten Gehversuche nach diesem Völkerringen geschahen mit Zustimmung der damaligen US-Militärregierung. Aber erst mit der Aufhebung des Vereinsvorbots und mit dem 1945 zum ersten Vorstand gewählten Sportkameraden Philipp Döring begann der Wiederaufbau der Abteilungen Turnen, Fußball, Leichtathletik und Ski. Dieser gestaltete sich besonders schwierig, da die Halle von einem kriegsverlagerten Betrieb genutzt wurde. Den Turnern mußte einstweilen der Saal des Gasthofs "Adler" als Übungsraum dienen.

Die Fußballer unter Leitung von Karl Manske traten in die erste Verbandsrunde ein und die übrigen Abteilungen verbuchten ihre ersten überörtlichen Erfolge. Mit Rudi Kittel aus Jägerndorf (Sudetenland) kam ein vom Turnsport beseelter Idealist nach Grönenbach, der bereits wenige Tage nach seinem Eintreffen die Leitung der Übungsstunden übernahm und eine Turnerinnen- und Frauenriege aufbaute, die er bis weit in die siebziger Jahre als Oberturnwart und Ehrenmitglied leitete.

Die Aktivität aller Abteilungen hielt unvermindert an. Die Weidegenossenschaft Grönenbach stellte ein 3 Tagwerk großes Spielfeld an der Bahnhofstrasse zur Verfügung. Für die Skijugend wurde die "Alpe Eineck" bei Oberstaufen gepachtet. Die Turner zogen in die "Turnerbaracke" ein. Unter der Patenschaft des TV Memmingen wurde 1950 die erste Vereinsfahne geweiht. Nach zweimaliger Meisterschaft in der C-Klasse stiegen die Fußballer in die B-Klasse auf.

Das erste große Skijöring ging über die Bühne. Mit den Untergauturnfesten 1950 und 1954, dem Untergaujugendturnfest 1960, den Allgäuer Waldlaufmeisterschaften 1946 und 1951, der Schwäbischen (1957), der Bayerischen (1953 und 1958) sowie der IBL-Waldlaufmeisterschaft (1961) wurde der TV Grönenbach Ausrichter überregionaler Wettbewerbe.  Auch als gesellschaftlicher Faktor bekam der TV mehr und mehr Bedeutung. Sport- und Schwimmfeste, Faschingsbälle und Tanzabende fanden in der Bevölkerung viel Anklang.

Ab 1953 lenkte Hans Diepolder die Geschicke des Vereins. Unter seiner tatkräftigen Leitung entstand nach Plänen des verstorbenen BLSV-Präsidenten Sedlmaier der neue Sportplatz an der Rothensteiner Strße, zu dem Familie Madlener ein 4 Tagwerk großes Grundstück käuflich zur Verfügung gestellt hatte. Dieser Bau wurde von der Marktgemeinde unter Bürgermeister und Ehrenmitglied Wiedenmayr und von zahlreichen Aktiven im freiwilligen Arbeitseinsatz unterstützt, wobei besonders der Einsatz von Leichtathletik-Abteilungsleiter Sepp Klaus hervorgehoben werden muß. Nach dem Bau eines Umkleidehauses konnt der Platz 1956 in einem Festakt seiner Bestimmung übergeben werden. Mit der finanziellen Unterstützung von Dr. Armin Krautheim wurde ein Jahr später eine 50-m-Freiwasserschwimmbahn in Bad Clevers in Betrieb genommen. Die Turnhalle, die nun dem Verein wieder zur Verfügung stand, wurde 1959 ausgebaut und in den Folgejahren mit einer Heizung, verbesserten sanitären Anlagen und einem Geräteraum versehen.  Nach dem sich deutlich zeigte, daß der neue Sportplatz überbeansprucht war, kaufte der große Förderer des TVG, Albert Leimer, weitere 5 Tagwerk Grund und schenkte diese dem Verein. Das war auch der Grund, weshalb die Vorstandschaft dem heimischen Sportgelände an der Rothensteiner Strße den Namen "Albert-Leimer-Waldstadion" verlieh. Die Folge war der Ausbau eines zweiten Spielfeldes sowie weiterer leichtathletischer Anlagen.

Unter der Führung von Walter Holderied wurde 1962 eine Eissportabteilung gegründet, die ihr Training und ihre Veranstaltungen zunächst auf dem Eis des Cleverweihers abwickelte. Holderied und seinem Nachfolger Erwin Schlauch ist es zu verdanken, dass auf dem Gelände des Stadions 1968 ein mustergültig angelegter Eissportplatz mit internationalen Maßen entstand. Im Jahre 1963 wurde ein langgehegter Wunsch Dr. Krautheims Wirklichkeit: Nach der Gründung einer Tennisabteilung wurden unter seiner Führung zwei Tennisplätze und ein Clubhaus errichtet.

Auf dem sportlichem Sektor glückte der Fußballabteilung der Sprung in die A-Klasse. Turner und Leichtathleten errangen große Erfolge: Xaver Höger, schon 1951 Waldlaufbezirksmeister, wurde 1956 in Haßloch Deutscher Waldlaufmeister und 1959 in Stuttgart Deutscher Titelträger über 10.000 Meter. Neben zahlreichen regionalen Meisterschaften und internationalen Erfolgen stand er zu 20 Einsätzen der Deutschen Nationalmannschaft zur Verfügung. Die Krönung seiner Laufbahn stellte zweifellos die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 1960 in Rom dar. Die Schützlinge Högers, Löwe und Immerz holten drei Bayerische Vizemeisterschaften über 800m und 10.000 m an die grüne Ach. Unzählige Siege, darunter 30 Schwäbische und noch mehr Allgäuer Titel heimsten in der Folgezeit die "grünweißen Leichtathleten" ein.

Auch die Fußballer feierten auf dem grünen Rasen Triumphe: Mit Georg Hörmann wurde 1968 die TVG Fußballjugend "Schwäbischer Pokalsieger". Unter Jugendleiter Hans-Dieter Günl erkämpfte sich in den sechziger Jahren die Vereins- und Schuljugend in der Leichtathletik 4 Deutsche Mannschaftsmeisterschaften, 4 Deutsche Vizemeisterschaften, 20 Spitzenplatzierungen unter den 2000 Teams der Bundesrepublik, 27 Bayerische, 56 Schwäbische und 78 Allgäuer Bestleistungen.

Dass dieser ungebrochene Sport- und Gemeinschaftsgeist auch das folgende Jahrzehnt beflügelte, beweist das 1968/69 von der B&E Memmingen gepachtete neue Spielfeld gegenüber dem Albert-Leimer-Waldstadion. Damit vergrößerte sich das heimische Sportareal. Grönenbachs Olympionike Xaver Höger führte in dieser Zeit die Volksläufe ein, die im Memminger Raum Modellcharakter aufwiesen. Unter Federführung von Erich Teuber wurde die Tischtennisabteilung angegliedert, die zu einem begeisterten Sammelbecken für die Jugend werden sollte. Weiteren Zuwachs für die heimische Sportlerfamilie bescherte die Gründung der Faustballsparte, die unter Hans Jakob, Franz Treppesch, Richard Klempp, Hans-Joachim Haller zu einem sportlichen Aushängeschild des TVG wurde.

Diepolders Bemühen zum Unterhalt der Sportanlagen führte zu den "Grönenbacher Sport- und Heimattagen", die sich alle zwei Jahre als Schaufenster für den heimischen Sport und als Begegnung für die Bevölkerung aus Stadt und Land verstehen und zum Bau des TVG-Vereinsheims beigetragen haben.

Die 1972 auf Initiative von Hans Diepolder, Dr. Krautheim, Alfons Sommer und in Zusammenarbeit mit der Marktgemeinde unter Bürgermeister Georg Straßer und dem Bayerischen Sportärzteverband kreierten "Deutsche Seniorenläufe" haben sich inzwischen zu einem Markenzeichen des Seniorensportes auf bundesdeutscher Ebene entwickelt. Der allgemeine Sport hatte in nahezu allen Abteilungen Leistungsträger, die sich vielerorts Meistertitel erkämpften. Kometengleich stieg der Turnernachwuchs unter Richard und Gretl Wieser und Resi Egger zu sportlichem Lorbeer bei Allgäuer, Schwäbischen, Bayerischen und Deutschen Jugendturnfesten auf. Sie brachten den Namen des Landvereins in die vorderste Nennung im Bereich der Bundesrepublik.

Der Tausch des Eigentums an der alten Turnhalle gegen das Mitbenützungsrecht der vom Schulverband 1974 erbauten Doppelturnhalle brachte eine wesentliche Erweiterung der Trainings- und Veranstaltungsmöglichkeiten.

Nach 25jähriger Tätigkeit legte Hans Diepolder 1977 sein Vorstandsamt in die Hände seines langjährigen Stellvertreters Georg Neumair, der mit Elan den Ausbau der Sportanlagen weiter forcierte, ohne dabei den aktiven Sport zu vernachlässigen.

Dieser öffnete sich vor allem durch die alljährliche Sportabzeichenaktionen unter Leichtathletik-Abteilungsleiter Horst Sandow dem Breitensport, Grundlage für die Anerkennung Grönenbachs als "sportliche Gemeinde".

Die Tennisabteilung vergrößerte unter ihrem neuen Leiter German Bertele ihr Angebot auf nunmehr sechs Plätze. Die heimischen Eissportler schufen sich mit ihrem Chef Horst Nowotny Asphaltbahnen. Die Fußballabteilung mit Engelbert Lochbihler und die Sparte Ski mit Max Zettler bauten auf die Erfolge ihres Nachwuchses.

Im Bereich des Albert-Leimer-Waldstadions entstanden durch die Erweiterung des Vereinsheims ein neuer Geräteraum und eine Pächterwohnung und als letztes Glanzstück 1979 zwei neue Bundeskegelbahnen, die das Gebäude auf eine neue finanzielle Grundlage stellen sollten.

Weiteren Initiativen der Vorstandschaft entsprangen das erste Grönenbacher Marktfest sowie der Dr. Krautheim-Gedächtnislauf, der in Erinnerung an den allzu früh versorbenen Grönenbacher Sportförderer Dr. med. Armin Krautheim 1980 erstmals veranstaltet wurde.

Die "Grönenbacher Sport- und Heimattage" wechselten seit 1980 alljährlich mit dem gleichfalls vom TVG veranstalteten Marktfest, einem fröhlichen und bunten Treffen von vielen Bürgern, Gästen und Besuchern unter freiem Himmel in der "guten Stube Grönenbachs", dem idyllischen Marktplatz.

Der TV konnte sein Angebot durch die Bildung einer Kegelabteilung und einer Abteilung Volleyball auf 10 Sparten erweitern. 1984 konnte dann der Generalversammlung das Erreichen der 1000-Mitglieder-Größe angezeigt werden. Allerdings war auch zu berichten, dass die Pflege und Unterhaltung des stattlich angewachsenen Vereinsvermögens immer mehr Kosten und Aufwand verursachte.

1985 repräsentierte sich der Verein glanzvoll im großen Festumzug der 500-Jahre-Marktrechts-Feier.

Georg Neumair legte 1989 sein Vorstandsamt aus Gesundheitsgründen nieder. Der nach 12 arbeitsreichen Jahren ausscheidende Vorstand und sein gleichfalls so lange tätiger Kassier Werner Mayr wurden von der Generalversammlung zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Die Leitung des Vereins übertrugen die Mitglieder Frank Nitzsche. 3 Jahre später starb Georg Neumair völlig überraschend, tief betrauert von seinen Sportkameraden, denen er als geschätzter Freund und Berater sehr verbunden war.

In den vergangenen hundert Jahren ist aus der kleinen Verbindung begeisterter Turnpioniere ein starker Verein geworden, der mit großen sportlichen Leistungen seiner Aktiven dazu beigetragen hat, dem Namen Grönenbachs Bekanntheit zu verschaffen. Seine Verantwortlichen konnten vor allem unsere Jugend für gesunde Bewegung, fairen Wettkampf und kameradschaftliches Miteinander begeistern. Der Idealismus und der Gemeinschaftsgeist von Vorstand und Mitgliedern und die enge Verbundenheit mit der Kommune waren die Grundlage für große Erfolge auf sportlichem, geselligem und wirtschaftlichem Gebiet. Mit viel persönlichem Arbeitseinsatz und unterstützt von großzügigen Förderern wurde ein beträchtliches Vereinsvermögen geschaffen, dessen Verbesserung und Pflege auch in Zukunft große Anstrengungen fordern wird.

Der TV Grönenbach ist in echter Bürgerinitiative zu einem nicht mehr wegzudenkenden Faktor im gemeindlichen Leben geworden und wird seine Bedeutung für Grönenbach auch in Zukunft wahren.